15/07/2026 09:18 - Economia
Die argentinische Wirtschaft zeigte ein ermutigendes Signal. Wie das Nationale Institut für Statistik und Volkszählung (INDEC, die offizielle Statistikbehörde Argentiniens) berichtete, verlangsamte sich die Inflation im Juni 2026 auf 1,9 % und durchbrach damit zum ersten Mal seit 10 Monaten die monatliche Marke von 2 %. Diese Zahl, die mit den Prognosen der wichtigsten Wirtschaftsberatungen übereinstimmt, markiert einen wichtigen Schritt im Prozess der Preisstabilisierung, der von der Regierung unter Präsident Javier Milei vorangetrieben wird.
Obwohl das Ziel des Präsidenten, im August einen Index zu erreichen, der mit einer Null beginnt, derzeit außer Reichweite scheint, ist der Trend positiv. Im ersten Halbjahr verzeichnete der Verbraucherpreisindex (IPC) einen Anstieg von 16,8 %, während die jährliche Veränderung bei 33,5 % lag – ein starker Kontrast zu den 211 % Jahresinflation, die Milei bei seinem Amtsantritt Ende 2023 vorfand.
Die Analyse der Kategorien zeigt eine interessante Dynamik. Die Kerninflation (núcleo) – die saisonale und regulierte Produkte ausschließt, um den zugrunde liegenden Trend zu messen – war noch besser und fiel auf 1,6 %.
| Kategorie | Veränderung im Juni 2026 |
|---|---|
| Freizeit und Kultur (Touristpakete) | +4,2 % |
| Wohnen, Wasser, Elektrizität, Gas | +3,3 % |
| Saisonal (Gemüse, Obst) | +3,4 % |
| Kommunikation | +0,9 % |
| Lebensmittel und alkoholfreie Getränke | +1,3 % |
| Bekleidung und Schuhe | +0,4 % |
Wie das Medium Ámbito berichtet, war die starke Mäßigung bei Lebensmitteln und Getränken (+1,3 %) entscheidend, angetrieben durch die Stabilität der Fleischpreise, die Preiserhöhungen bei Gemüse durch Senkungen bei Obst ausglich.
Trotz der guten Nachrichten übt die Lebenshaltung weiterhin Druck aus. Laut Infobae verzeichnete der Grundbedarfskorb (die sogenannte 'Canasta básica', die die Kosten für Grundnahrungsmittel und Dienstleistungen misst) einen Anstieg von 2,2 %. Das bedeutet, dass eine Durchschnittsfamilie im Juni 1.531.473 ARS (argentinische Pesos) benötigte, um nicht in Armut abzurutschen, und 689.853 ARS, um nicht als extrem arm (indigent) zu gelten.
Ein Bericht des Argentinischen Zentrums für politische Ökonomie (CEPA) zeigte, dass zwischen 2023 und 2026 das Mediangehalt der registrierten Arbeitnehmer um 305 % stieg. Allerdings gab es bei den Fixkosten und Dienstleistungen viel drastischere Sprünge: Die U-Bahn (Subte) vervielfachte ihren Wert fast um das 20-fache (ein kumulierter Anstieg von 1926 %), der Bus (Colectivo) um 1450 % und der Zug um 977 %.
Für die Regierung ist die Inflation ein streng monetäres Phänomen. Daher kündigte der Regierungssprecher Adrián Ravier an, dass die Exekutive dem Kongress einen Gesetzesentwurf zur Reform der Satzung der Zentralbank (Banco Central de la República Argentina, BCRA) vorlegen wird. Die Initiative soll der BCRA verbieten, Geld zur Finanzierung des Staatsschatzes zu drucken, Verantwortlichkeiten verschärfen und die Unabhängigkeit der Institution garantieren, mit dem Ziel, 'nie wieder Inflation zu haben'.
Im politischen Bereich zeichnen Umfragen ein Polarisierungsszenario im Hinblick auf die Wahlen 2027. Eine Studie von Casa3 unter der Leitung von Mora Jozami ergab, dass der Gouverneur der Provinz Buenos Aires, Axel Kicillof, exponentiell als Anführer der Opposition wuchs: von 6 % Zustimmung im Januar 2024 auf aktuell 34 %. Cristina Kirchner (ehemalige Präsidentin) belegte den zweiten Platz mit 19 %, während Sergio Massa (ehemaliger Wirtschaftsminister) auf marginale 2 % fiel.
Für Juli 2026 prognostizieren Ökonomen, die vom Medium El País und Ámbito befragt wurden, dass die Inflation erneut bei rund 2 % liegen könnte, angetrieben durch den Effekt der Winterferien im Tourismussektor. Der allgemeine Konsens ist jedoch, dass der disinflationäre Pfad, wenn auch langsam, im zweiten Halbjahr stabil bleiben wird.
Alfredo S. Quiroga