26/06/2026 09:25 - Actualidad
Der Oberste Gerichtshof der Nation entschied am 25. Juni 2026 einstimmig, die außerordentliche Berufung der nationalen Regierung abzulehnen. Damit bleibt die einstweilige Verfügung in Kraft, die den Staat zur Einhaltung zweier zentraler Artikel des Universitätsfinanzierungsgesetzes verpflichtet, das vom Kongress im Oktober 2025 verabschiedet wurde.
Hintergrund für internationale Leser: Argentiniens öffentliche Universitäten sind kostenlos und spielen eine zentrale Rolle im Landessystem. Die Progresar-Stipendien sind staatliche Förderprogramme für Studierende aus einkommensschwachen Familien, ähnlich wie BAföG in Deutschland, aber ohne Rückzahlungsverpflichtung.
Die nationale Regierung hatte Anfang Juni 2026 mit den Universitätsgewerkschaften eine Erhöhung von 24,3% vereinbart – verteilt auf zwei Raten: 21,3% im Juni und 3% im Oktober. Zur Einhaltung des Universitätsfinanzierungsgesetzes müsste die Erhöhung jedoch 56% auf die Mai-Gehälter von 2026 betragen.
| Konzept | Nach Regierungsvereinbarung | Nach Gesetz |
|---|---|---|
| Erhöhung im Juni 2026 | 21,3% | 56% |
| Zusätzliche Differenz | – | 29% Extra |
| Bruttogehalt Hilfsdozent (Beispiel) | $409.000 | $525.000 |
Das Beispiel bezieht sich auf einen Hilfsdozenten der ersten Kategorie mit einfacher Anstellung (9 Wochenstunden) und 10 Jahren Dienstalter. Dessen Bruttogehalt würde nach der offiziellen Vereinbarung von $337.000 auf $409.000 steigen, müsste aber nach der gesetzlichen Inflationsanpassung $525.000 erreichen.
Das Universitätsfinanzierungsgesetz sieht vor, dass Stipendien entsprechend der kumulierten Inflation zwischen Dezember 2023 und Oktober 2025 angepasst werden – dies entspricht einer Steigerung von 241% in diesem Zeitraum.
| Progresar-Stipendium | Betrag | Veränderung |
|---|---|---|
| Wert im November 2023 | $20.000 | – |
| Wert nach Regierung (September 2024) | $35.000 | +75% |
| Wert nach Gesetz (Oktober 2025) | $68.200 | +95% gegenüber aktuellem Betrag |
| Inflationsbereinigter Wert | $84.000 | +140% gegenüber aktuellem Betrag |
Die Progresar-Stipendien profitieren Universitätsstudenten sowie Studenten der Krankenpflegeausbildung. Der derzeitige Regierungsbetrag ($35.000) entspricht lediglich 42% des Wertes, der nach der kumulierten Inflation ($84.000) angemessen wäre.
August 2025: Der Senat verabschiedet das Universitätsfinanzierungsgesetz mit vorheriger Genehmigung des Abgeordnetenhauses.
September 2025: Präsident Milei legt sein Veto gegen das Gesetz ein.
Oktober 2025: Der Kongress weist das Veto mit den erforderlichen Stimmen zurück. Die Exekutive erlässt ein Promulgationsdekret, das die Aussetzung der Umsetzung bis zur Benennung der Finanzierungsquellen anordnet.
Gerichtliche Reaktion: Der Nationale Interuniversitätsrat (CIN) reicht Klage beim Bundesverwaltungsgericht ein und beantragt eine einstweilige Verfügung.
Erste Instanz und Kammer: Das Gericht gewährt die einstweilige Verfügung, und die Kammer bestätigt diese.
25. Juni 2026: Der Oberste Gerichtshof bestätigt die einstweilige Verfügung und weist die Berufung der Regierung zurück.
Eine einstweilige Verfügung ist eine vorläufige gerichtliche Entscheidung, die erlassen wird, während über den Hauptfall entschieden wird. In diesem Fall entschied der Oberste Gerichtshof, die Verpflichtung des Staates zur Einhaltung der Artikel 5 und 6 des Gesetzes aufrechtzuerhalten, bis ein endgültiges Urteil über die Verfassungsmäßigkeit des Promulgationsdekrets ergeht.
Das Urteil des Obersten Gerichtshofs stellt eine starke juristische Rückendeckung für die öffentliche Universitätsbildung in Argentinien dar. Die Regierung muss nun die Dozentengehälter und Studienstipendien gemäß der gesetzlichen Vorgaben anpassen – was erhebliche Erhöhungen gegenüber den aktuellen Werten bedeutet. Diese Entscheidung markiert einen neuen Abschnitt im Spannungsverhältnis zwischen Exekutive und Legislative um die Universitätsfinanzierung und sendet ein Zeichen für den Schutz der Bildung als öffentliches Gut.
Quellen: Chequeado | Oberster Gerichtshof der Nation Argentiniens.
Alfredo S. Quiroga