20/06/2026 12:04 - Politica
Político con cabello rubio despeinado y traje oscuro saludando efusivamente con abrazos a funcionarios frente a un monumento histórico con bandera argentina, mientras una mujer permanece ignorada en primera fila
Am 20. Juni 2026 feierte Argentina den 206. Jahrestag des Todes von Manuel Belgrano, dem Schöpfer der argentinischen Flagge. Doch was als feierliche Zeremonie im Monumento Nacional a la Bandera (Nationales Flaggenmonument) in Rosario beginnen sollte, wurde zu einem öffentlich zur Schau gestellten politischen Drama, das vor den Augen der Nation stattfand.
Hintergrund für ausländische Leser: Der 20. Juni ist in Argentina ein Nationalfeiertag zu Ehren von Manuel Belgrano (1770-1820), einem der wichtigsten Unabhängigkeitshelden des Landes. Er schuf die celeste-y-blanca (himmelblaue und weiße) Flagge am 27. Februar 1812 in Rosario, einer wichtigen Hafenstadt etwa 300 km nordwestlich von Buenos Aires.
Präsident Javier Milei – der libertäre Ökonom, der im Dezember 2023 sein Amt antrat – traf in einer schwarzen Limousine zusammen mit seiner Schwester Karina Milei ein, die als Generalsekretärin der Präsidentschaft fungiert. Bei seiner Ankunft begrüßte er enthusiastisch seine Kabinettsmitglieder: Zentralbankpräsident Santiago Bausili, Deregulierungsminister Federico Sturzenegger, Ministerin für Humankapital Sandra Pettovello, Wirtschaftsminister Luis Caputo, Stabschef Manuel Adorni und Außenminister Pablo Quirno. Auch Senatorin Patricia Bullrich war anwesend.
Was die offizielle Übertragung nicht zeigte, war das, was Journalisten und Anwesende am meisten bemerkten: Milei vermied jeglichen Kontakt mit Vizepräsidentin Victoria Villarruel, die nur wenige Meter von den nationalen Beamten entfernt im Bereich für provinzielle Behörden saß.
Villarruel war nicht vom Präsidialamt (Casa Rosada) eingeladen worden, sondern von Gouverneur Maximiliano Pullaro. Diese Ausschluss ist nicht neu: Bereits 2025 hatte Karina Milei sie vom ökumenischen Gottesdienst am 25. Mai ausgeschlossen. Der letzte öffentliche Auftritt von Milei und Villarruel gemeinsam war während der Eröffnung der ordentlichen Sitzungsperiode des Kongresses am 1. März 2026.
Kontext: Victoria Villarruel ist nicht nur Vizepräsidentin, sondern auch Präsidentin des Senats. Ihre Entfremdung von Milei ist ein bekanntes politisches Faktum, das an diesem Tag öffentlich sichtbar wurde.
Im scharfen Kontrast zur Kälte gegenüber Villarruel bot Milei einen herzlichen Uarm seinem Stabschef Manuel Adorni. Adorni wird derzeit wegen mutmaßlicher illegaler Bereicherung untersucht – sein Vermögen stieg angeblich um 775% (von 20 Millionen auf 944 Millionen Pesos) bei Auslassung von USD 500.000 in seiner Vermögenserklärung.
Ebenso umarmte Milei Patricia Bullrich, Präsidentin des Blocks von La Libertad Avanza im Senat und ehemalige Sicherheitsministerin. Die Senatorin unterhielt sich vor Beginn der Zeremonie mit Adorni – ein Bild, das die Einheit der Regierungskoalition in dieser Krise widerspiegelt.
In seiner Rede würdigte der Präsident Manuel Belgrano als „einen großen Förderer politischer und wirtschaftlicher Freiheit“ und definierte die Flagge als „die sichtbare Vertretung einer Sache: der Sache der Freiheit“.
Milei behauptete, Belgrano sei „revolutionär in den Ideen und mutig in der Tat“ gewesen, und präsentierte ihn als „Schöpfer der Flagge, Militär von Mai und intellektueller Verbreiter von Ideen“. Außerdem bezeichnete er ihn als den „ersten liberalen Wirtschaftsintellektuellen Argentiniens“.
Wer war Manuel Belgrano?
Manuel Belgrano (1770-1820) war ein argentinischer Anwalt, Ökonom, Militär und Politiker. Er studierte in Spanien und kehrte nach Buenos Aires zurück, um an der Unabhängigkeitsbewegung teilzunehmen. Neben der Schaffung der Nationalflagge kämpfte er in den Unabhängigkeitskriegen und donierte einen Großteil seines Vermögens für die patriotische Sache. Er starb verarmt am 20. Juni 1820.
Der Präsident schloss mit einer kraftvollen Botschaft: „Solange es Argentinier gibt, die bereit sind, die Freiheit, die Arbeit, das Verdienst, das Eigentum und die Produktion zu verteidigen, wird der Traum von Manuel Belgrano weiterleben“, bevor er „¡Es lebe das Vaterland!“ ausrief.
Minuten nach Beendigung der Zeremonie sprach Victoria Villarruel mit dem Nachrichtenportal Infobae und richtete harsche Kritik gegen Manuel Adorni: „Es gibt niemanden, der mehr mit den Werten Belgranos im Konflikt steht als Adorni“.
Die Vizepräsidentin bezeichnete es auch als „schreckliche Botschaft“, dass die Casa Rosada sie nicht zur Zeremonie eingeladen hatte, und argumentierte, dass Rosario ihr „zweites Zuhause“ sei und sie auf Einladung von Gouverneur Pullaro teilgenommen habe.
Maximiliano Pullaro, Gouverneur der Provinz Santa Fe, forderte von der Nationalregierung mehr Investitionen in Infrastruktur: „Santa Fe produziert, Santa Fe exportiert, Santa Fe ist Landwirtschaft, ist Industrie und ist Handel, und leistet einen sehr großen Beitrag zu den Ressourcen des Nationalstaates“.
Der Bürgermeister von Rosario, Pablo Javkin, hob die Fortschritte der Stadt in Sicherheitsfragen hervor: „Gemeinsam, Nation, Provinz und Gemeinde, konnten wir endlich mit einem Plan beginnen. Die Angst hat die Seiten gewechselt und das für immer“.
Anmerkung: Rosario hatte lange mit hoher Kriminalität zu kämpfen. Die Verbesserung der Sicherheitslage ist eines der wichtigsten Themen für die lokale Bevölkerung.
Die Zeremonie fand in einem delikaten Moment für die Regierung statt. Bekannte Fakten:
Erklärung: Ein Misstrauensverfahren („moción de censura“) ist in Argentina ein politisches Instrument, das nicht verfassungsrechtlich geregelt ist, aber historisch von der Opposition genutzt wird, um Druck auf Regierungsbeamte auszuüben.
Alfredo S. Quiroga