29/06/2026 22:58 - Actualidad
Ein internationales Team von Geologen hat einen beispiellosen Durchbruch erzielt: eine gigantische geologische Struktur, verborgen unter 3 Kilometern Eis in der Ostantarktis. Die Formation, getauft als Eastern Antarctic Fan-Shaped Basin Province (EAFBP), besitzt halbkontinentale Ausmaße und stellt den bislang direktesten Beweis dafür dar, wie sich der Superkontinent Gondwana fragmentierte.
Gondwana war ein Superkontinent, der zwischen dem Neoproterozoikum und dem Jura existierte, vor etwa 550 bis 180 Millionen Jahren. Aus ihm entstanden die heutigen Kontinente: Südamerika, Afrika, die Antarktis, Australien, Arabien und Indien. Zu verstehen, wie er sich aufspaltete, ist grundlegend für die heutige Konfiguration der Kontinente und Ozeane.
Die Studie, veröffentlicht in der renommierten Zeitschrift Nature Geoscience, wurde von Egidio Armadillo geleitet und umfasste Forscher wie Daniele Rizzello, Pietro Balbi, Alessandro Ghirotto und Martin Siegert von europäischen Universitäten und Instituten.
Die Wissenschaftler identifizierten 30 subglaziale Becken in V-Form, die sich radial von einem Drehpunkt bei 86,4° südlicher Breite in der Nähe des Südpols erstrecken. Die Struktur reicht von der Prydz-Bucht bis zu den Transantarktischen Bergen und erstreckt sich über mehr als 1.500 Kilometer.
| Angaben zur Entdeckung | Details |
|---|---|
| Tiefe | ~3 km unter dem Eis |
| Anzahl der Becken | 30 subglaziale Becken |
| Ausdehnung | Mehr als 1.500 km |
| Alter | ~150 Millionen Jahre |
| Meeresspiegel-Äquivalent | 28 Meter |
Die Ostantarktis ist zu mehr als 99% von Eis bedeckt, was den direkten Zugang zum Felsuntergrund verhindert. Die Forscher nutzten eine Kombination fortschrittlicher Techniken: Radio-Echo-Sondierung, Gravimetrie-Analysen und seismische Studien, um die subglaziale Topographie mit beispielloser Detailgenauigkeit zu kartieren.
Das Team schlägt vor, dass diese Struktur durch einen Prozess der rotationalen intraplate Extension vor dem Zerfall Gondwanas entstand. Stellt euch den Kontinent wie einen Fächer vor, der sich von einem Drehpunkt aus öffnet: Die Erdkruste dehnte sich und erzeugte eine Schwächezone in der Lithosphäre.
Dieser Prozess hatte drei massive geologische Konsequenzen:
Die Forscher weisen darauf hin, dass die in der Antarktis nachgewiesene rotationale Extension keine Fortsetzung in Australien hat, was bestätigt, dass es ein ausschließlich antarktischer Prozess war.
Die identifizierte Region beherbergt etwa die Hälfte der Eisschicht der Ostantarktis, mit einem Meeresspiegel-Äquivalent von 28 Metern.
Die subglazialen Becken befinden sich an mehreren Punkten unter dem modernen Meeresspiegel und können die Verletzlichkeit der Eisschicht erhöhen, da sie das Eindringen warmen Ozeanwassers bei globaler Erwärmung begünstigen.
Dieses tektonische Erbe aus vor 150 Millionen Jahren konditioniert direkt die heutige Dynamik des antarktischen Eises und ist grundlegend für die Anpassung der Modelle zur Meeresspiegel-Projektion.
Die identifizierten Becken steuern die Lage der wichtigsten Auslassgletscher des Kontinents:
Die Entdeckung erfordert eine Überarbeitung der Rekonstruktionen des Zusammenspiels zwischen Australien und der Antarktis. Die aktuellen Modelle wiesen anomale Überlappungen der Kontinentalkruste auf, die dieser neue geologische Rahmen erklärt.
Das Bemerkenswerteste an dieser Entdeckung ist, wie geologische Prozesse, die vor etwa 150 Millionen Jahren begannen, die Dynamik des antarktischen Eises heute direkt konditionieren. Die Becken, die sich bildeten, als Gondwana zu zerfallen begann, leiten heute den Fluss der größten Gletscher der Welt.
Dieses Wissen ermöglicht es Wissenschaftlern, die Vorhersagen über das zukünftige Verhalten der antarktischen Eisschicht zu verbessern – eines der kritischsten Elemente für das Verständnis des Anstiegs des Meeresspiegels in den kommenden Jahrzehnten.
Quelle: Nature Geoscience | Los Andes
Alfredo S. Quiroga