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Prozess um ARA San Juan: Staatsanwaltschaft fordert bis zu 5 Jahre Haft für Marinespitzen

23/06/2026 10:23 - Judiciales

Der Prozess um Argentiniens größte U-Boot-Tragödie

Am Montag, den 22. Juni 2026 nahm das Bundesgericht von Comodoro Rivadavia die Anhörungen wieder auf. Comodoro Rivadavia ist eine wichtige Hafenstadt in der patagonischen Provinz Chubut, etwa 1.800 Kilometer südlich von Buenos Aires gelegen. Hier wird einer der schmerzhaftesten Fälle der jüngeren argentinischen Geschichte verhandelt: der Untergang des U-Boots ARA San Juan am 15. November 2017, bei dem 44 Besatzungsmitglieder starben.

Die Bundesstaatsanwälte Gastón Franco Pruzan, Lucas Colla, Julio Zárate und María Andrea Garmendia Orueta begannen ihre Plädoyers vor dem Richtergremium, bestehend aus Mario Reynaldi, Enrique Baronetto, Luis Alberto Giménez und Guillermo Adolfo Quadrini. Die Anklage fordert Haftstrafen von bis zu 5 Jahren für die Angeklagten.

Die Angeklagten und ihre militärischen Funktionen

Vier Spitzenoffiziere der argentinischen Marine stehen unter dem Verdacht der fahrlässigen Tötung (in Deutschland vergleichbar mit § 222 StGB - fahrlässige Tötung ohne Tötungsvorsatz, aber mit Verletzung der Sorgfaltspflicht). Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen vor, das U-Boot trotz bekannter technischer Mängel in See fahren gelassen zu haben:

AngeklagterMilitärische Funktion zum Zeitpunkt des Unglücks
Luis Enrique López MazzeoBefehlshaber des Kommandos für Bereitschaft und Ausbildung der Marine (COAA)
Claudio Javier VillamideKommandant der U-Boot-Flotte (COFS) und operative Kontrollbehörde
Hugo CorreaLeiter der Operationsabteilung und der U-Boot-Kommunikationszentrale
Héctor Aníbal AlonsoStabschef des U-Boot-Flottenkommandos und Bewertungsoffizier für Bereitschaft

Die Tragödie: Chronologie des Unglücks

Das U-Boot ARA San Juan (TR-42) war ein U-Boot der Klasse TR-1700, gebaut in Deutschland von Thyssen Nordseewerke. Es lief 1983 vom Stapel und war eines der modernsten U-Boote der argentinischen Flotte.

Am 25. Oktober 2017 verließ das U-Boot den Marinehafen Mar del Plata (ein beliebter Badeort am Atlantik, 400 km südlich von Buenos Aires) mit Ziel Ushuaia (die südlichste Stadt der Welt, in Feuerland). Das Schiff lief in mangelhaftem technischem Zustand aus.

Am 11. November 2017 verließ es Ushuaia zu einem Patrouillengebiet. Drei Tage später, am 14. November zwischen 22:35 und 23:42 Uhr, drang Meerwasser in Batterietank Nr. 3 ein, was einen Kurzschluss und Brand verursachte.

Am 15. November 2017 um 10:51 Uhr kam es zur Implosion des U-Boots, als es die Kollapstiefe überschritt. Die Wrackteile wurden am 17. November 2018 in 907 Metern Tiefe entdeckt.

Die dokumentierten technischen Mängel

Staatsanwalt Zárate legte detailliert die nicht durchgeführten Reparaturen dar. Kernpunkte der Anklage:

  • Das U-Boot überschritt den vorgeschriebenen Wartungsintervall im Trockendock um 26 Monate
  • Seit der Lebensmitte-Modernisierung 2015 in Brasilien wies es zahlreiche dokumentierte Mängel auf
  • Kommandant Pedro Martín Fernández informierte Villamide 2017 kontinuierlich über technische Probleme
  • Einen Monat vor dem Untergang wurde Dockeinlauf beantragt - ohne Antwort
  • Systeme und Geräte waren außer Betrieb oder degradiert, was die Sicherheit beeinträchtigte

Die Staatsanwaltschaft plädiert Schritt für Schritt

Staatsanwalt Gastón Franco Pruzan eröffnete die Plädoyers mit einer Erklärung des Prozessablaufs. Er führte aus, dass López Mazzeo im Februar 2017 das Bereitschaftskommando übernahm und am 19. Oktober 2017 den Operationsbefehl COFLOMAR N°14/17 'C' erließ, der die letzte Mission des U-Boots anordnete.

Staatsanwalt Julio Zárate präsentierte eine visuelle Chronologie der unterlassenen Reparaturen mit Dias zu konkreten Daten und Jahren.

Anschließend erläuterte Staatsanwalt Lucas Colla die Funktionen jedes Angeklagten innerhalb der Marinehierarchie und hob die Zeugenaussagen und Gutachten hervor.

Die YouTube-Übertragung erlitt einen kurzen technischen Ausfall, der die Plädoyers kurz verzögerte.

44 verstorbene Besatzungsmitglieder

Das ARA San Juan wurde zum Unterwassergrab für 44 argentinische Seeleute. Dieser Prozess soll die Verantwortlichkeiten der Führungsoffiziere klären, die ein U-Boot mit technischen Mängeln in See stechen ließen - mit tödlichen Folgen.

Hintergrund: Warum ist dieser Prozess historisch?

Für internationale Beobachter: Argentiniens Justizsystem unterscheidet zwischen fahrlässiger Tötung (homicidio culposo) und vorsätzlichem Mord. Bei fahrlässiger Tötung gibt es keine Absicht zu töten, sondern eine Verletzung der Sorgfaltspflicht. Der Prozess in Comodoro Rivadavia ist einer der wichtigsten Fälle gegen Militärs in Argentinien seit der Rückkehr zur Demokratie 1983.

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