Argentiniens Präsident Javier Milei hat erstmals öffentlich zum Fall seines Ex-Beraters Fernando Cerimedo Stellung bezogen, der in Bolivien wegen versuchten Femizids an Nadia Beller inhaftiert ist. Milei bestritt jegliche aktuelle Verbindung und deutete eine Inszenierung der Opposition an. Beller hingegen erklärt, sie fürchte um ihr Leben – der Anschlag habe politische Motive gehabt.

Milei bricht sein Schweigen

Am Sonntag, den 23. August 2026, äußerte sich Argentiniens Staatschef Javier Milei erstmals zu dem Skandal um seinen früheren Berater Fernando Cerimedo. Cerimedo sitzt in Bolivien in Untersuchungshaft – das Gericht ordnete 180 Tage Haft im Gefängnis Palmasola an. Ihm wird vorgeworfen, der geistige Urheber eines Schussattentats auf seine Ex-Partnerin, die Anwältin Nadia Beller, zu sein.

Im Interview mit dem Radiosender Radio Mitre stellte Milei klar: „Wir haben uns 2023 voneinander getrennt“ – Cerimedo sei „kein Teil unseres Raums“ und habe keinerlei Verbindung zu ihm. Doch damit nicht genug: Milei deutete an, dass hinter den Schlagzeilen eine politische Intrige stecken könnte. „Wir sollten nicht ausschließen, dass dahinter die ganze Bande von Pagano, Bindi, Evo Morales, dem Castro-Chavismus und Lula da Silva steckt“, so der Präsident mit Blick auf oppositionelle Kreise. Bereits in den Tagen zuvor hatte Milei in seinen sozialen Netzwerken Beiträge geteilt, die von einer angeblichen „Operation“ rund um die Schießerei sprachen.

Nadia Bellers brisante Vorwürfe

In einem exklusiven Interview mit dem Sender TN, das per Videokonferenz geführt wurde, um ihren Aufenthaltsort zu schützen, erklärte Nadia Beller, sie habe „Angst“ und sei überzeugt, dass „weitere Versuche unternommen werden, mir zu schaden“. Die Anwältin war am Samstag aus der Klinik Las Américas in Santa Cruz de la Sierra entlassen worden, nachdem sie fünf Tage lang behandelt worden war. Sie erhob schwere Vorwürfe: Cerimedo habe sie nicht wegen ihrer Schwangerschaft angreifen lassen, sondern „aus rein politischen Motiven“ – und verwies dabei auf Boliviens Präsidenten Rodrigo Paz.

Beller berichtete, Cerimedo habe sie „angefleht, keine Anzeige wegen Gewalt zu erstatten“. Als sie ihm von ihrer Schwangerschaft erzählte, habe er zunächst positiv reagiert und versprochen, Verantwortung zu übernehmen – sogar gesagt, wenn es ein Junge werde, solle er seinen Namen tragen. Doch dann, so Beller, „hat er seinen Plan weiterverfolgt. Weder die Mutter noch das Kind haben ihn interessiert“.

Darüber hinaus behauptete die Aktivistin, Cerimedo habe abfällig über die argentinische Politik gesprochen und Karina Milei, die Schwester des Präsidenten, als „Kopf“ eines angeblichen Schmiergeld-Systems im Bereich Behinderung bezeichnet. Der Berater habe ihr erzählt, dass Natalia Basil, ehemalige Beamtin der Nationalen Agentur für Behinderung (ANDIS) und Mutter seiner Kinder, vor ihrem Rücktritt Audioaufnahmen weitergegeben und Anzeige erstattet habe. Zudem habe Cerimedo Milei als „verrückt“ bezeichnet und gesagt, er sei „nicht ganz bei Verstand“. Auch über angebliche Zahlungen während des Wahlkampfs 2023 habe er gesprochen – unter anderem an Fátima Flórez. Diese Aussagen sind bislang nicht durch Beweise gestützt und müssen im Rahmen der Ermittlungen geprüft werden.

Neue Festnahmen und Ermittlungserfolge

Während Cerimedo in Haft bleibt, hat die bolivianische Polizei Róger A.C. festgenommen, der die Tatwaffe bereitgestellt haben soll. Ein kolumbianischer Staatsbürger, der als mutmaßlicher Auftragskiller gilt, stellte sich freiwillig und bestreitet seine Beteiligung. Für Montag, den 24. August, sind ihre Vernehmungen geplant.

Zudem wurde ein neues Ermittlungsverfahren gegen Cerimedo wegen mutmaßlicher illegaler Bereicherung eröffnet. Bei Durchsuchungen fanden die Behörden mehr als 500.000 bolivianische Bolivianos in bar, US-Dollar und Euro sowie Dutzende Mobil- und Satellitentelefone. Ein bolivianischer Staatsanwalt erklärte, Cerimedo habe über ein Wechselbüro rund 400.000 US-Dollar erhalten.

Beller, die sich im vierten Schwangerschaftsmonat befindet, kündigte an, ihre Aussage zu erweitern. Sie wartet zudem auf das Ergebnis einer toxikologischen Untersuchung, um mögliche Bleiwerte in ihrem Körper zu prüfen. „Das Baby lehne ich nicht ab“, sagte sie und betonte, sie sei bereit, „vor Gericht zu erscheinen und ihm in die Augen zu schauen“.

Hintergrund und Reaktionen

Der Fall erschütterte Bolivien und Argentinien: Am Montag, dem 17. August, wurde Beller vor dem Hotel Swissôtel in Santa Cruz de la Sierra niedergeschossen. Cerimedo, der gerade nach Buenos Aires reisen wollte, wurde in der Nacht zum Dienstag festgenommen. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, den Anschlag als geistiger Urheber geplant zu haben – im Kontext geschlechtsspezifischer Gewalt und im Zusammenhang mit Bellers Schwangerschaft.

Milei hatte tagelang geschwiegen und versucht nun, sich von seinem Ex-Berater zu distanzieren. Doch Bellers Aussagen belasten auch das engste Umfeld des Präsidenten – insbesondere seine Schwester Karina. Der Präsident stellte zugleich die Berichterstattung infrage und sprach von einer politischen Inszenierung, passend zu Beiträgen, die er in seinen Netzwerken teilte.

Die Ermittlungen laufen weiter: Neue Gutachten zur Tatwaffe und zur Flugbahn der Schüsse stehen aus. Beller befindet sich derweil im Schutz einer befreundeten Familie und wirft der bolivianischen Polizei vor, ihre Daten weitergegeben und damit ihr Leben gefährdet zu haben.