US-Präsident Donald Trump hat die für Mittwochfrüh geplanten Zölle von 50 Prozent auf kanadische Waren im Wert von rund 20 Milliarden US-Dollar in letzter Minute für drei Tage ausgesetzt. Grund ist eine überraschende Einigung zwischen Washington und Ottawa. Der Streit hatte die Handelsbeziehungen zwischen den beiden Ländern auf einen historischen Tiefpunkt gebracht.

Ein Aufschub mit Symbolkraft

Es war eine Nachricht, die in Washington und Ottawa für Erleichterung sorgte: US-Präsident Donald Trump verkündete am Dienstag, den 18. August 2026, auf seiner Plattform Truth Social, dass die geplanten Zölle von 50 Prozent auf kanadische Importe im Wert von etwa 20 Milliarden US-Dollar zunächst für drei Tage ausgesetzt werden. Die Frist wäre um 00:01 Uhr am Mittwoch, den 19. August, abgelaufen – weniger als zwei Stunden nach Trumps Ankündigung.

„Ich habe die Zölle von 50 Prozent gegen Kanada, die für morgen früh geplant waren, für einen Zeitraum von drei Tagen ausgesetzt, basierend auf der Tatsache, dass Kanada und die USA, vorbehaltlich der Fertigstellung der Dokumente, eine EINIGUNG erzielt haben!“, schrieb Trump. In derselben Nachricht deutete er an, dass die Keystone-XL-Pipeline, die unter der Regierung von Joe Biden gestoppt worden war, „wiederbelebt werden könnte“.

Der kanadische Premierminister Mark Carney bestätigte einen „substanziellen Durchbruch“ in den Verhandlungen, warnte jedoch: „Es bleibt noch wichtige Arbeit zu tun.“ Die Ankündigung folgte auf zwei Telefonate zwischen Carney und Trump innerhalb von zwei Tagen, darunter ein Gespräch am Dienstagnachmittag.

Die Hintergründe des Handelsstreits

Die nun ausgesetzten Zölle hätten eine breite Palette kanadischer Produkte betroffen – von Eishockeyschlägern bis hin zu Zungenspateln. Sie machten etwa 5 Prozent der kanadischen Exporte in die USA aus. Die Ankündigung folgt auf eine Reihe eskalierender Maßnahmen und Gegenmaßnahmen, die das Verhältnis der beiden Nachbarländer belastet haben.

Die wichtigsten Streitpunkte im Überblick

USA fordern: Kanada soll mehr Militärausrüstung kaufen, darunter F-35-Kampfjets, sich am Raketenabwehrsystem „Golden Dome“ beteiligen und den USA mehr Zugang zu kritischen Mineralien gewähren, um die Abhängigkeit von China zu verringern.

Kanada fordert: Erleichterungen bei Zöllen auf Stahl, Aluminium und Weichholz sowie eine deutliche Reduzierung der Autozölle.

Der Streit um die Autoindustrie

Ein zentraler Konfliktpunkt ist der Automobilsektor. Washington schlug vor, den Zoll auf kanadische Fahrzeuge von 25 Prozent auf 15 Prozent zu senken. Ottawa fordert jedoch eine noch stärkere Reduzierung und Ausnahmen für Inhalte, die in Nordamerika produziert werden. Zudem verlangen die USA, dass Kanada seine Vergeltungszölle auf US-Autos aufhebt, die Provinzen wieder US-amerikanische alkoholische Getränke verkaufen und die Einfuhrquoten für Milchprodukte überarbeitet werden.

Ein juristisches Novum: Die Section 338 von 1930

Um die Zölle zu verhängen, griff Trump auf ein selten genutztes Instrument zurück: die Section 338 des US-Zollgesetzes von 1930, auch bekannt als Smoot-Hawley-Zölle. Dieses Gesetz aus der Zeit der Großen Depression erlaubt es dem Präsidenten, Zölle von bis zu 50 Prozent auf Produkte von Ländern zu erheben, die US-Unternehmen diskriminiert haben – ohne vorherige Untersuchung und ohne zeitliche Begrenzung. Es ist das erste Mal, dass dieses Instrument in der US-Handelsgeschichte angewendet wird.

Der Rückgriff auf diese Regelung war notwendig geworden, nachdem der Oberste Gerichtshof im Februar 2026 die von Trump verhängten Zölle auf Grundlage des International Emergency Economic Powers Act (IEEPA) für nichtig erklärt hatte. Der Gerichtshof befand, dass der Präsident seine Befugnisse überschritten habe. Seitdem sucht die Regierung nach neuen rechtlichen Grundlagen.

Die Stimmung in Kanada: Wut und Enttäuschung

Die Beziehung zwischen den beiden Ländern befindet sich auf einem Tiefpunkt. Eine Petition zur Abschiebung des US-Botschafters in Kanada, Pete Hoekstra, hat seit dem 21. Juli fast 218.000 Unterschriften gesammelt. Viele Kanadier sind verärgert über Trumps wiederholte Äußerungen, Kanada zum „51. Bundesstaat“ machen zu wollen, sowie über die aggressive Zollpolitik seiner Regierung.

Die wirtschaftliche Abhängigkeit Kanadas von den USA ist enorm: 72 Prozent der kanadischen Warenexporte gingen im vergangenen Jahr in die Vereinigten Staaten. Die Grenze zwischen beiden Ländern ist mit 5.525 Meilen (ca. 8.900 Kilometern) die längste der Welt. Täglich überqueren etwa 330.000 Menschen die Grenze, und Waren im Wert von rund 2 Milliarden US-Dollar werden täglich transportiert.

Wie geht es weiter?

Die dreitägige Aussetzung gibt beiden Regierungen Zeit, die Verhandlungen fortzusetzen und die Dokumente fertigzustellen. Der US-Handelsbeauftragte Jamieson Greer erklärte: „Wenn ein Land Vergeltungsmaßnahmen gegen uns ergreift, werden wir das natürlich nicht tolerieren.“ Der kanadische Minister Dominic LeBlanc sagte lediglich: „Die Arbeit geht weiter.“

Parallel zu diesem Konflikt verhandeln die USA mit Kanada und Mexiko über die Zukunft des T-MEC, des Nachfolgeabkommens des NAFTA-Handelsvertrags. Die Zollandrohungen dienen dabei als Druckmittel. Analysten, die von der Nachrichtenagentur AP zitiert wurden, betonten: „Keine der beiden Seiten will wirklich, dass diese Zölle in Kraft treten.“ Dies deute darauf hin, dass eine endgültige Einigung möglich sei.

Die kommenden Tage werden zeigen, ob aus dem temporären Aufschub ein dauerhafter Frieden im Handelsstreit zwischen den beiden Nachbarländern wird.

Mit Informationen von Associated Press, EFE, El País, Infobae, Clarín und La Nación.