Ein Wert, der eine Serie beendet
Das Instituto Nacional de Estadística y Censos (INDEC), das nationale Statistikamt Argentiniens, hat am 13. August 2026 die Inflationsdaten für Juli veröffentlicht: 2,1% im Monatsvergleich, 19,3% seit Jahresbeginn und 33,8% im Vergleich zum Vorjahr. Damit wurde eine Serie von drei Monaten mit rückläufiger Inflation beendet – im Juni lag die Rate noch bei 1,9%. Der Wert übertraf zudem leicht die Erwartungen des Marktes, die im Relevamiento de Expectativas de Mercado (REM), einer monatlichen Umfrage der Zentralbank bei Analysten, bei 2% gelegen hatten.
Wirtschaftsminister Luis Caputo betonte, dass der gleitende Dreimonatsdurchschnitt der niedrigste seit September 2025 sei. Besonders hob er den historischen Rückgang bei Bekleidung hervor: Prendas de vestir und Schuhe fielen um 1,3% – der größte Rückgang in der Geschichte dieser Kategorie. Dennoch sorgt die Zahl im Regierungslager für gemischte Gefühle, da man gehofft hatte, die 2%-Marke zu unterschreiten.
Wie sich die Preise entwickelten
Der Kern-IPC (der saisonale und regulierte Preise ausschließt) stieg um 1,8%, während saisonale Produkte um 4,5% zulegten – vor allem Gemüse, Reiseangebote und Unterkünfte verteuerten sich. Regulierte Preise (öffentlicher Nahverkehr, private Krankenversicherungen, Strom) erhöhten sich um 2,1%.
Die größten Anstiege gab es in folgenden Bereichen:
- Erholung und Kultur: 5,0% – begünstigt durch die Winterferien
- Restaurants und Hotels: 2,8%
- Wohnen: 2,2%
- Nahrungsmittel und Getränke: 2,0%
Auf der anderen Seite fielen Bekleidung und Schuhe um 1,3% – der stärkste Rückgang in der Kategorie seit Beginn der Aufzeichnungen. Auch Alkoholische Getränke und Tabak stiegen mit 1,5% vergleichsweise moderat.
Die Debatte um den neuen Warenkorb
Ein heikles Thema: Der INDEC verwendet weiterhin die Gewichtung der Nationalen Ausgaben- und Einkommensumfrage (ENGHo) von 2004/05. Seit Januar 2026 wird darüber diskutiert, auf die aktuellere ENGHo 2017/18 umzustellen – die Regierung hat dies jedoch bisher nicht umgesetzt. Zwei private Beratungsfirmen haben simuliert, wie die Inflation mit der neuen Gewichtung ausgefallen wäre:
| Beratungsfirma | Inflation Juli mit neuem Warenkorb | Jahresbeginn bis Juli mit neuem Warenkorb |
|---|---|---|
| LCG | 2,5% | 21,3% |
| Equilibra | 2,1% (identisch mit offiziellem Wert) | 20,5% |
Der Unterschied liegt im größeren Gewicht von Dienstleistungen im neuen Warenkorb: Wohnen steigt von 9,4% auf 14,5%, Transport von 11% auf 14,3% und Kommunikation von 2,8% auf 5,1%. Nahrungsmittel hingegen sinken von 26,9% auf 22,7%. Da Dienstleistungen im Juli um 3,1% teurer wurden, während Waren nur um 1,6% zulegten, ergibt sich bei einem höheren Dienstleistungsanteil automatisch eine höhere Gesamtteuerung.
Ausblick auf August und das restliche Jahr
Der Ökonom Claudio Caprarulo, Direktor der Beratungsfirma Analítica, erwartet für August eine Inflation von ebenfalls rund 2,1%. In der ersten Augustwoche blieben die Preise für Lebensmittel und Getränke in Supermärkten stabil. „Der Schlüssel wird sein, ob die Inflation im August wieder unter die 2%-Marke fällt“, erklärte er im Radiosender La Voz En Vivo.
Für das Gesamtjahr 2026 liegen die Prognosen bei einer Teuerung von rund 30% – deutlich über dem offiziellen Budgetziel von 10,1%. Caprarulo warnt zudem, dass der Konsum trotz der langsamen Preisstabilisierung schwach bleibt: Der E-Commerce wächst zwar, macht aber weiterhin weniger als 5% des Supermarktumsatzes aus. Auch die Investitionen sind im zweiten Quartal erneut gesunken.
Fazit: Die Juli-Zahl von 2,1% hinterlässt einen gemischten Eindruck. Einerseits bestätigt sie den Disinflationsprozess – die Jahresrate ist die niedrigste seit 2022. Andererseits zeigt sie, dass die 2%-Marke nur schwer zu unterschreiten ist und die Binnennachfrage weiterhin schwach bleibt. Die methodische Debatte um den Warenkorb ist damit eröffnet und könnte wieder aufleben, sobald der INDEC eine Aktualisierung beschließt.
Quellen: INDEC, Rosario3, Infobae, La Voz del Interior.