Neuer Vorfall erschüttert den Fall
Die Anwältin und Menschenrechtsaktivistin Nadia Beller, die am letzten Montag, dem 17., in Santa Cruz de la Sierra bei einem bewaffneten Angriff verletzt wurde, hat einen weiteren, schwerwiegenden Vorfall geschildert. In einem Bericht mit dem Titel „¿Caben dudas que esto fue un crimen de Estado?“ („Sind noch Zweifel möglich, dass dies ein Staatverbrechen war?“) enthüllt sie, dass ein unbekannter Mann versucht habe, in ihre Klinik Las Américas einzudringen und ihr Patientenzimmer zu erreichen.
Der Mann sei ohne Uniform erschienen, habe sich aber als Polizist ausgegeben. Als das Klinikpersonal nachfragte, warum er keine Uniform trage, antwortete er, er werde sich kurz umziehen. Danach tauchte er nicht mehr auf. Laut Beller entspricht seine Beschreibung einer Person, die vor dem Attentat auf den Sicherheitsvideos des Hotels Swissôtel sichtbar war: gelbe Jacke, abgenutzte Jeans, weiße Turnschuhe.
„Als ich im Krankenhaus fragte, warum er keine Uniform trage, sagte er, er wolle sie holen. Danach wurde er nie wieder gesehen“, so Beller.
Vorwürfe gegen die Behörden
Beller betont, dass weder die Polizei noch das bolivianische Innenministerium sie über die Identität oder die Aufgabe dieses Mannes aufgeklärt habe. Sie fordert dringend Ermittlungen, denn es könnte sich um einen erneuten Anschlagsversuch oder um einen Spitzel handeln. Falls der Mann nicht identifiziert werde, seien die Autoritäten in der Verantwortung.
Der Mordanschlag und seine Spur
Der Angriff ereignete sich am 17. (letzten Montag) in einem Hotel der bolivianischen Stadt. Beller wartete auf einen Informanten, als Unbekannte das Feuer eröffneten. Laut offiziellem medizinischen Bericht war Beller zu diesem Zeitpunkt in der vierten Woche schwanger – eine Information, die von ihr nicht bestritten wurde.
Die Staatsanwaltschaft hat inzwischen Fortschritte:
- Róger A. C. wurde festgenommen. Er soll die Tatwaffe bereitgestellt haben.
- Ein kolumbianischer Staatsbürger, der als mutmaßlicher Schütze gesucht wurde, hat sich selbst der Polizei gestellt und beteuert seine Unschuld: „Ich weiß nichts, nichts. Ich ergebe mich, weil man mir sagt, ich sei der Auftragsmörder, aber ich weiß nichts“, so seine erklärung.
- Fernando Cerimedo, der Hauptverdächtige und Ex-Partner von Beller, sitzt in Untersuchungshaft im Gefängnis von Palmasola. Die Anklage wirft ihm vor, die Ermordung der ehemaligen Freundin in Auftrag gegeben zu haben.
Streit um polizeiliche Schutzmaßnahmen
Nachdem Beller aus dem Krankenhaus entlassen wurde, beschwerte sie sich auch über die ihr zugewiesene Eskorte. Die Beamten hätten erlaubt, dass Unbekannte von Verfolgern vor dem Hospital ihre Residenz ausgekundschaftet hätten. Dadurch habe ihre ganze Familie in Gefahr geschwebt.
Das Beispiel zeigt, wie hoch der politische Druck auf diese Sache ist: Fernando Cerimedo steht in engem Verhältnis zum argentinischen Präsidenten Javier Milei, der in der Vergangenheit Berater einstellt. Die Ermittlungen gefährden die diplomatische Stabilität in der Region.
Beller hat bereits angekündigt, sich nicht entmutigen zu lassen. Sie will der Sache gerecht werden, bis alle Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden. Ihre Unterstützer nennen sie eine Kämpferin für die Wahrheit, während Boliviens Regierung schwere Kritik anhören muss, wegen der Existenz solcher Schlupflöcher.