Ein politischer Skandal erschüttert Südamerika: Der frühere Wahlkampfstratege des argentinischen Präsidenten Javier Milei, Fernando Cerimedo, wurde in Bolivien festgenommen. Er soll den bewaffneten Angriff auf seine schwangere Ex-Partnerin, die Anwältin Nadia Beller, in Auftrag gegeben haben. Diese erhebt nun schwere Korruptionsvorwürfe gegen das Umfeld von Milei.

Ein Schusswechsel mit politischen Folgen

Was zunächst nach einem Raubüberfall aussah, hat sich zu einem der größten politischen Skandale Südamerikas entwickelt. Am Montag, dem 17. August 2026, wurde die 33-jährige Anwältin und Politanalystin Nadia Beller vor einem Hotel in Santa Cruz de la Sierra, Bolivien, von zwei Auftragskillern niedergeschossen. Stunden später nahm die Polizei am Flughafen Viru Viru einen Mann fest, der nach Argentinien fliehen wollte: Fernando Cerimedo, einst ein enger Berater des argentinischen Präsidenten Javier Milei und aktuell als Strategieberater für die bolivianische Regierung tätig.

Die Umstände sind brisant: Beller, die sich nach eigenen Angaben in der 14. Schwangerschaftswoche befindet und Cerimedo als Vater nennt, überlebte den Angriff. Sie wurde mit drei Schusswunden in die Klinik Las Américas gebracht, wo sie notoperiert wurde. Ihr Zustand ist stabil, sie ist außer Lebensgefahr. Doch ihre Genesung ist nur der Anfang einer Geschichte, die tiefe Risse im Machtgefüge beider Länder offenlegt.

Schwere Vorwürfe: Korruption und ein „verrottetes Umfeld“

Vom Krankenbett aus gewährte Beller der argentinischen Zeitung LA NACION ein exklusives Interview, das die Lage eskalieren ließ. Sie beschuldigt Cerimedo, den Mordanschlag in Auftrag gegeben zu haben. Noch schwerer wiegen jedoch ihre Aussagen über angebliche Machenschaften in der Regierung von Javier Milei.

„Fernando sagte mir, dass die Schwester von Milei in die Korruption verwickelt sei.“

Nadia Beller gegenüber LA NACION

Laut Beller habe Cerimedo während ihrer Beziehung, die im Dezember begann, von „schmutzigen Geschäften“ in der Regierung erzählt. Seinen Bruch mit Milei im Jahr 2024 soll er mit den Worten erklärt haben, dieser habe „ein zu verrottetes Umfeld“. Den endgültigen Bruch habe die Veröffentlichung von geheimen Audioaufnahmen ausgelöst, die Diego Spagnuolo, einen ehemaligen Beamten der argentinischen Nationalen Agentur für Behinderung (ANDIS), schwer belasten. In den Aufnahmen geht es um angebliche Bestechungsgelder in der Behörde.

Cerimedo und seine damalige Ehefrau Natalia Basil, die selbst bei der ANDIS arbeitete, sollen die Audios gefiltert haben. „Fernando sagte mir, die Audios seien echt und sie hätten sie weitergegeben, damit der Fall nicht ungesühnt bleibt“, so Beller. Sie fügte hinzu: „Ich weiß nur aus seinem Mund, dass die Schwester von Javier Milei involviert war.“ Die Rede ist von Karina Milei, der mächtigen Generalsekretärin der Präsidentschaft.

Geld, Waffen und eine Flucht mit Bargeld

Beller zeichnet das Bild eines Mannes, der zwischen den Regierungen in Buenos Aires und La Paz agierte. Cerimedo habe damit geprahlt, monatlich 800.000 US-Dollar zu verdienen und Gelder aus korrupten Geschäften der bolivianischen Regierung über Firmen, etwa für Fertighäuser, in Argentinien zu waschen. In ihrer gemeinsamen Wohnung habe „sehr viel Geld“ in Schubladen und Koffern gelegen.

Bei seiner Festnahme trug Cerimedo nach Polizeiangaben einen Rucksack mit Bargeld bei sich. Beller berichtet von einem Telefonat aus der Klinik: „Ich fragte ihn: ‚Warst du das?‘ Er sagte, wie ich so etwas denken könne, er liebe mich. Aber die Polizei sagte uns, dass er in Wirklichkeit mit einem Rucksack voller Geld nach Argentinien fliehen wollte.“

Die Anwältin behauptet zudem, Cerimedo habe enge Kontakte zu Argentiniens Sicherheitsministerin Patricia Bullrich gepflegt und für die Regierung eine Kampagne zur „Neutralisierung von Vizepräsidentin Victoria Villarruel“ geplant. Seinen Partner Vicente Quintales nennt sie als Verbindungsmann zu anderen Regierungen. Über sich selbst soll Cerimedo gesagt haben, er sei „von der CIA“.

Die Nacht des Anschlags: Eine Falle mit Ansage

Die Schilderung der Tatnacht liest sich wie ein Thriller. Beller erklärte, sie sei zu einem Treffen in das Hotel gelockt worden. Angeblich wollten Informanten ihr Material über einen angeblichen Übergriff des bolivianischen Oppositionsführers Evo Morales auf eine Minderjährige übergeben. Sie habe gezögert, doch Cerimedo habe sie ermutigt hinzugehen – mit den Worten, niemand werde es wagen, ihr in einem Hotel mit Überwachungskameras etwas anzutun.

„Ich sprach noch mit ihm, als mir das Handy weggenommen wurde. In dem Moment schossen sie auf mich“, erinnert sie sich. Nun ist sie überzeugt: „Er sagte, er wolle sich mit mir in Bolivien niederlassen. Jetzt bin ich mir sicher, dass alles eine Lüge war, dass es nie Liebe gab. Er wollte mich töten.“

Bolivien ermittelt: „Niemand steht über dem Gesetz“

Der Fall hat in Bolivien höchste politische Wellen geschlagen. Innenminister Marco Antonio Oviedo forderte eine „seriöse und tiefgreifende“ Aufklärung: „In Bolivien steht niemand über dem Gesetz.“ Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Cerimedo wegen versuchten Femizids – ein besonders schwerer Vorwurf in einem Land mit hoher Gewalt gegen Frauen.

Der Polizeichef des Departements, David Gómez, erklärte, die Ermittler hätten von einem „sentimentalen Konflikt“ zwischen den beiden gewusst und deshalb den Flughafen überwacht. Cerimedo sitzt in den Zellen der Spezialeinheit zur Bekämpfung von Kriminalität (FELCC) und wartet auf seine Vernehmung. Er bestreitet die Vorwürfe bislang.

Hintergrund: Wer ist Fernando Cerimedo?

Cerimedo ist ein bekannter Strategieberater aus Argentinien. Er war maßgeblich am Aufstieg von Javier Milei beteiligt, bevor er sich mit ihm überwarf. Seit 2025 beriet er offiziell den bolivianischen Präsidenten Rodrigo Paz in Kommunikationsfragen. Seine Festnahme belastet nun das Verhältnis zwischen Buenos Aires und La Paz und wirft Fragen nach den Verbindungen der beiden Regierungen auf.

Der Fall ist noch lange nicht abgeschlossen. Beller steht unter Polizeischutz und wird ihr formelles Zeugnis vor der Staatsanwaltschaft ablegen. Ihre Aussagen könnten nicht nur Cerimedo, sondern auch hochrangige Mitglieder der argentinischen Regierung in Erklärungsnot bringen. Die Ermittlungen laufen auf Hochtouren.