30/07/2026 10:53 - Otros
Die Geschichte spielt im malerischen Küstenort Kiama, südlich von Sydney, Australien. Bei einer Hausrenovierung entdeckte ein Mann einen ungewöhnlichen Gegenstand in einer Teekiste, die in einem versiegelten Kamin eingemauert war. Zu seiner Überraschung handelte es sich nicht um ein simples Dekorationsstück, sondern um ein Buch der örtlichen Bibliothek – mit einer Verspätung von über eineinhalb Jahrhunderten.
Das Exemplar trägt den Titel „Antiquities of Athens“ (Antiquitäten Athens) und wurde im Jahr 1858 veröffentlicht. Die Leiterin der Bibliothek von Kiama, Michelle Hudson, zeigte sich über die Rückkehr verblüfft: „So etwas Altes wurde uns noch nie zurückgebracht.“ Zwar kommen regelmäßig Bücher mit 30 oder 40 Jahren Verspätung beim Ausräumen von Erbschaften zum Vorschein, doch eine Verspätung von 150 Jahren sei beispiellos.
Würde der ursprüngliche Tarif von drei Pence pro Woche (auf der Innenseite des Einbands vermerkt) inflationsbereinigt angewendet, belief sich die Schuld auf rund 28.000 australische Dollar (etwa 19.500 US-Dollar). Ein kleines Vermögen für ein historisches Versehen!
Die Bibliothek von Kiama öffnete ihre Türen im Jahr 1872. Das Buch trug die Nummer 506 in der ursprünglichen Sammlung von rund 1.000 Bänden. Die damaligen Regeln waren streng: Pro Haushalt durften maximal drei Bücher ausgeliehen werden, vorausgesetzt, mindestens sechs Familienmitglieder „konnten nachweislich lesen“. Zudem durfte kein neues Buch entliehen werden, bevor das vorherige zurückgegeben und die fällige Gebühr bezahlt war.
Hudson scherzte: „Vielleicht wurde es deshalb nie zurückgebracht.“ Leider sind die Ausleihregister aus den 1870er Jahren verloren gegangen, sodass sich nicht mehr nachvollziehen lässt, wer das Buch zuletzt in Händen hielt. „Wir haben leider ein fehlendes Glied in der Kette“, bedauerte sie.
Trotz einiger Wasserschäden – das Buch verbrachte viele Jahre unter einem Kamin – ist es in akzeptablem Zustand. Die Bibliothek hat beschlossen, dieses Stück Geschichte nicht mehr auszuleihen. „Wir werden es nicht wieder ausleihen. Wir wollen nicht noch einmal 150 Jahre auf die Rückgabe dieses Buches warten“, erklärte Hudson. Das Exemplar wird stolz in der lokalen historischen Sammlung der Bibliothek ausgestellt.
Quelle: The Guardian
Alfredo S. Quiroga