Der demokratische Fraktionschef im Repräsentantenhaus, Hakeem Jeffries, traf sich mit Jared Kushner, Trumps Schwiegersohn, um mögliche Kooperationsbereiche zu besprechen. Die Nachricht sorgt für Empörung unter Demokraten, die Interessenkonflikte sehen. Die Zwischenwahlen im November rücken näher – und die Demokraten könnten die Mehrheit zurückerobern.

Ein Treffen, das die US-Politik erschüttert

Am 23. August 2026 berichtete die New York Times, dass der Minderheitsführer der Demokraten im Repräsentantenhaus, Hakeem Jeffries, ein privates Treffen mit Jared Kushner – Schwiegersohn und informeller Berater von Präsident Donald Trump – abgehalten hat, um mögliche Kooperationsbereiche zu erörtern. Die Nachricht, die auch von The Guardian aufgegriffen wurde, löste eine Welle ungläubiger Reaktionen unter Demokraten und Trump-Kritikern aus.

Das Treffen findet nur wenige Monate vor den Zwischenwahlen im November 2026 statt, bei denen die Demokraten als Favoriten gelten, die Kontrolle über das Repräsentantenhaus zurückzugewinnen. Sollte dies gelingen, würde Jeffries zum Speaker (Parlamentspräsidenten) aufsteigen – eine Position mit enormer legislativer Macht und Aufsichtsbefugnissen über die Exekutive.

Kritik und Skepsis innerhalb der Demokratischen Partei

Einer der ersten, die reagierten, war Tommy Vietor, ehemaliger Assistent von Barack Obama und Co-Moderator des progressiven Podcasts Pod Save America. Auf X (ehemals Twitter) schrieb Vietor: „Jared Kushner hat keine echte Regierungsposition, er nutzt nur seine familiären Verbindungen, um Geld von Golf-Autokraten zu bekommen und korrupte Deals zu finanzieren. Die einzige Art, wie [Jeffries] mit ihm zusammenarbeiten sollte, ist, Dokumente und Vorladungen zu fordern.“

Der demokratische Senator aus Maryland, Chris van Hollen, zeigte sich in einem Interview mit Meet the Press (NBC) ebenfalls vorsichtig: „Ich bin dafür, dass sich Menschen mit wem auch immer treffen, um Ideen zu diskutieren. Aber es ist eine Sache, ein Treffen zu haben, eine andere, ob dabei etwas Reales herauskommt.“

Der ehemalige republikanische Kongressabgeordnete Adam Kinzinger, bekannt für seine Opposition gegen Trump und seine Mitgliedschaft im Ausschuss, der den Sturm auf das Kapitol am 6. Januar untersuchte, postete in sozialen Medien: „Macht das Sinn“ und markierte Jeffries.

Jeffries' offizielle Stellungnahme

Angesichts der Kontroverse veröffentlichte Jeffries eine offizielle Erklärung, in der er sein Vorgehen verteidigte und sich von der Trump-Administration distanzierte: „Während dieses Kongresses haben die Republikaner einen Ansatz von ‚mein Weg oder die Autobahn‘ verfolgt, der beim amerikanischen Volk gescheitert ist. Um den Wahnsinn zu stoppen, haben wir wiederholt klargestellt, dass ein extremistischer Ansatz nicht funktionieren wird und auf entschiedenen Widerstand stoßen wird.“

Er fügte hinzu: „Das amerikanische Volk will einen mutigen Wandel, und genau das werden die Demokraten im Repräsentantenhaus liefern. In jedem Gespräch, das wir mit der Trump-Administration führen, werden wir weiterhin unmissverständlich klarstellen, dass die Erschwinglichkeitskrise keine Täuschung ist und dass nichts weniger als ein transformativer politischer Wandel akzeptabel ist. Wir kämpfen für ein erschwingliches Amerika. Die Frage ist, ob sich die Republikaner uns anschließen.“

Kushners Interessenkonflikte

Das Treffen hat auch die Bedenken über Interessenkonflikte von Jared Kushner neu entfacht. Seit er seine Rolle als Sondergesandter für den Nahen Osten in der ersten Trump-Administration verlassen hat, hat Kushner weiterhin Geschäfte mit Golfstaaten wie Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten gemacht, während er seinen Schwiegervater informell in außenpolitischen Fragen berät, einschließlich der Konflikte in der Ukraine, im Iran und in Gaza.

Im April 2026 eröffnete der Justizausschuss des Repräsentantenhauses, der von den Demokraten kontrolliert wird, eine Untersuchung zu Kushners Interessenkonflikten. Der Abgeordnete Jamie Raskin, ranghöchster Demokrat in diesem Ausschuss, schrieb einen Brief an Kushner, in dem er erklärte: „Man kann nicht gleichzeitig Diplomat und finanzieller Handlanger der saudischen Monarchie sein; man kann die USA nicht treu vertreten, wenn Milliarden saudischer und emiratischer Gelder in jeder Tasche jedes Anzugs brennen, den man besitzt.“

Reaktionen von republikanischer Seite

Der Sprecher des Repräsentantenhauses, der Republikaner Mike Johnson, spielte das Treffen in einem Interview mit Fox News herunter: „Ich weiß nicht, worum es geht. Ich weiß, dass Jared Interessen und viele andere Dinge am Laufen hat.“ Johnson sagte auch, Kushner sei „nicht wirklich direkt in die Administration involviert, zumindest nicht im Tagesgeschäft des Weißen Hauses“.

Eine gespaltene Demokratische Partei zwischen Konfrontation und Zusammenarbeit

Die Reaktion auf dieses Treffen spiegelt die interne Spannung innerhalb der Demokratischen Partei wider – zwischen denen, die eine totale Konfrontation mit Trump befürworten, und denen, die einen kooperativeren Ansatz bevorzugen. Die Gouverneurin von Michigan, Gretchen Whitmer, hat beispielsweise in ihrer zweiten Amtszeit eine versöhnlichere Haltung gegenüber der Trump-Administration eingenommen.

Die Mehrheit der Demokraten scheint jedoch geneigt, ihre Aufsichtsbefugnisse zu nutzen, um die Administration aggressiv zu untersuchen, einschließlich möglicher persönlicher Bereicherung des Präsidenten und seiner Familie, falls sie die Mehrheit im Repräsentantenhaus zurückgewinnen.

Das Treffen zwischen Jeffries und Kushner, das von keiner Seite offiziell bestätigt wurde, hat eine intensive Debatte über die Grenzen der überparteilichen Zusammenarbeit in einem extrem polarisierten politischen Klima ausgelöst. Mit den Zwischenwahlen vor der Tür könnte diese Episode die Strategie beider Parteien beeinflussen.

Quelle: The Guardian