Der frühere pakistanische Premierminister Imran Khan (73) wurde in der Nacht zum Freitag auf Anordnung des Obersten Gerichtshofs in ein Krankenhaus in Islamabad gebracht – und nur Stunden später wieder in seine Zelle zurückgeschickt. Die Regierung erklärte ihn für „medizinisch fit“. Der Fall verschärft die politische Krise in Pakistan.

Der frühere pakistanische Premierminister Imran Khan (73) ist in der Nacht zum 21. August 2026 kurzzeitig in das Shifa International Hospital in Islamabad gebracht worden. Die Überstellung erfolgte auf ausdrückliche Anordnung des Obersten Gerichtshofs, nachdem wochenlang über den sich verschlechternden Gesundheitszustand des inhaftierten Oppositionsführers protestiert worden war.

Doch nur wenige Stunden später wurde Khan in das Gefängnis von Adiala in Rawalpindi zurückgebracht. Ein Sprecher seiner Partei, dem Pakistan Tehreek-e-Insaf (PTI), bestätigte den Vorgang. Der Informationsminister des Landes erklärte, ein „Team qualifizierter Ärzte“ habe Khan für „medizinisch fit“ erklärt.

Richterliche Anordnung mit deutlichen Worten

Die Entscheidung des Obersten Gerichtshofs vom 18. August 2026 folgte auf eine dringende Klage der Familie Khans. Die Richter betonten in ihrer Anordnung die verfassungsrechtliche Pflicht des Staates, „das Leben, die Gesundheit, die Würde und die Sicherheit des Gefangenen zu schützen“. Ein medizinisches Gremium, dem auch Khans persönlicher Arzt angehört, wurde mit der Untersuchung beauftragt.

Khans Anwälte hatten zuvor erklärt, der Ex-Premier habe einen erheblichen Teil der Sehkraft auf seinem rechten Auge verloren. Bereits im Februar 2026 berichteten PTI-Funktionäre, Khan habe nur noch 15 Prozent Sehvermögen und leide unter den Folgen seiner Haftbedingungen – einschließlich Einzelhaft ohne angemessene medizinische Versorgung.

Massive Sicherheitsvorkehrungen und Appelle an Anhänger

Die Überstellung fand unter massivem Polizeischutz statt. Hunderte Sicherheitskräfte wurden rund um das Krankenhaus stationiert. Die PTI-Führung rief ihre Anhänger auf, sich nicht vor der Klinik zu versammeln. Asad Qaiser, früherer Sprecher der Nationalversammlung und enger Vertrauter Khans, schrieb auf X, wer die Anweisung missachte, „habe keine Verbindung zur Partei“.

Ein politischer Gefangener mit langer Krankengeschichte

Imran Khan, einstiger Cricket-Weltmeister und von 2018 bis 2022 Premierminister Pakistans, befindet sich seit 2023 in Haft. Er wurde damals wegen Korruption zu drei Jahren Gefängnis verurteilt und für fünf Jahre von der Politik ausgeschlossen. 2025 folgte eine weitere Verurteilung zu 14 Jahren Haft in einem Fall, der den Erwerb von hochwertigen Grundstücken durch einen angeblichen korrupten Deal mit einem Immobilienmagnaten betrifft. Khan und seine Partei weisen alle Vorwürfe als politisch motiviert zurück.

Seine Anhänger sprechen von einem politischen Prozess, der vom mächtigen Militär gesteuert werde – eine Behauptung, die die Armee und die Regierung bestreiten.

Internationale Besorgnis und offene Fragen

Der Fall Imran Khan wird international mit großer Aufmerksamkeit verfolgt. Menschenrechtsorganisationen und mehrere Regierungen haben die Haftbedingungen kritisiert und sich besorgt über den Gesundheitszustand des früheren Regierungschefs gezeigt.

Der Oberste Gerichtshof könnte erneut eingreifen, falls neue medizinische Berichte die bisherige Einschätzung widerlegen. Bis dahin bleibt Khan in Adiala – doch die Debatte über Rechtsstaatlichkeit, Gesundheit und die Rolle des Militärs in Pakistan ist neu entfacht.

Dieser Artikel basiert auf Informationen der Nachrichtenagentur Reuters und weiterer internationaler Quellen.