Der INDEC bestätigte, dass sich die argentinische Wirtschaftsaktivität im Juni um 0,8% erholte, angetrieben von Bergbau, Landwirtschaft und Fischerei. Der Vorjahresvergleich zeigt ein Plus von 2,7%, doch Analysten warnen vor einer ungleichen Erholung: Industrie und Handel bleiben zurück.

Die argentinische Wirtschaftsaktivität verzeichnete im Juni einen Anstieg von 0,8% im Monatsvergleich und 2,7% im Jahresvergleich, wie der vom INDEC (Nationales Institut für Statistik und Volkszählungen) veröffentlichte monatliche Wirtschaftsaktivitätsindikator (EMAE) zeigt. Mit diesem Ergebnis akkumuliert das erste Halbjahr ein Wachstum von 1,9%, obwohl die wirtschaftliche Entwicklung weiterhin einem Sägezahnmuster mit wechselnden Hochs und Tiefs folgt.

Welche Sektoren das Wachstum antreiben

Der offizielle Bericht zeigt, dass 12 der 15 Sektoren, die den EMAIN (Estimador Mensual de Actividad Económica, deutsch: monatlicher Schätzer der Wirtschaftstätigkeit) ausmachen, im Juni ein Jahreswachstum verzeichneten. Die wichtigsten Motoren waren:

  • Fischerei: +247,6% im Jahresvergleich, nach der Wiederbelebung nach dem Gewerkschaftsstreik, der die Branche im Jahr 2025 beeinträchtigte.
  • Bergbau und Steinbrüche: +15,6%, einschließlich der Erdöl- und Gasaktivitäten.
  • Landwirtschaft, Viehzucht und Forstwirtschaft: +4,6%.

Zusammen trugen Bergbau und Landwirtschaft 1,1 Prozentpunkte zum jährlichen Wachstum des Indexes bei. Die Fischerei steuerte zusätzlich 0,44 Prozentpunkte bei.

Ebenfalls bemerkenswert waren das Finanzwesen (+5,1%), die Bauwirtschaft (+2,8%), die verarbeitende Industrie (+1,9%) und der Handel (+0,8%).

Die Sektoren in Rot

Dagegen verzeichneten drei Aktivitäten im Juni Rückgänge:

  • Öffentliche Verwaltung und Verteidigung: -1,5%.
  • Elektrizität, Gas und Wasser: -0,4%.
  • Bildungswesen: -0,1%.

Diese Sektoren kosteten den Jahresvergleich insgesamt 0,1 Prozentpunkte.

Die Sicht der Analysten

Experten sind sich einig, dass das Wachstum auf die primären Sektoren konzentriert ist, während arbeitsintensive Branchen hinterherhinken. Gonzalo Carrera von Equilibra erklärte: "Nach zwei Monaten des Rückgangs hat sich die Aktivität im Juni um 0,8% im Monatsvergleich und 2,7% im Jahresvergleich erholt, getragen von den primären Sektoren."

Sergio González von Cohen Aliados Financieros warnte: "Die zurückbleibenden Sektoren sind genau diejenigen mit hoher Arbeitsintensität: Industrie, Bauwirtschaft und Handel bündeln den größten Teil der formalen privaten Beschäftigung."

Gabriel Caamaño von Outlier präzisierte: "Der Durchschnitt des zweiten Quartals lag 0,9% unter dem ersten Quartal und der Juni liegt 1,2% unter dem Dezember 2025."

Die offizielle Reaktion

Wirtschaftsminister Luis Caputo feierte die Zahlen in sozialen Medien und betonte: "Der Trend-Zyklus-Indikator wuchs um 0,2% im Monatsvergleich und verzeichnete 27 aufeinanderfolgende Monate Wachstum – den längsten expansiven Zyklus seit Juni 2009 bis August 2011."

Präsident Javier Milei teilte Caputos Botschaft und fügte hinzu: "Die Aktivität fliegt", während er erneut Journalisten und Ökonomen kritisierte.

Prognosen für den Rest des Jahres

Die Schätzungen der Banken und Beratungsfirmen, die die Zentralbank (BCRA) erhebt, prognostizieren ein BIP-Wachstum von 2,7% für das gesamte Jahr 2026. Die Weltbank sagt dagegen eine Expansion von 3,6% für die argentinische Wirtschaft in diesem Jahr voraus.

Das Wirtschaftsteam erwartet, dass die Arbeitsmarktreform, die Steueramnestie (Inocencia Fiscal) und die Konzession von 9.000 Kilometern Bundesstraßen das Wachstum in den kommenden Monaten ankurbeln werden, obwohl bisher nur die Straßenkonzession planmäßig vorangeht.

Es ist wichtig zu erwähnen, dass die EMAI-Daten einen breiteren Kontext des wirtschaftlichen Aufschwungs zeigen, der jedoch ungleich verteilt ist – ein entscheidendes Detail für die Beurteilung der wirtschaftlichen Zukunft des Landes.