Ein Konflikt, der den Fußball erschütterte
Der Streit zwischen der UEFA und der FIFA, der Ende Juli 2026 eskalierte, scheint vorerst beigelegt. Am 30. Juli 2026 hatte die britische Zeitung The Times enthüllt, dass der Fußball-Weltverband unter Präsident Gianni Infantino das Projekt "FIFA Forward Enterprises" (FFE) vorantreiben wollte. Dabei sollten 20 Prozent der kommerziellen Rechte an den Weltmeisterschaften an private Investoren verkauft werden – für rund 4,2 Milliarden US-Dollar. Für viele europäische Verbände war das ein Schlag ins Gesicht: Es roch nach einer Kommerzialisierung des Fußballs, die die Sportidee verfälschen würde.
Die Reaktion kam schnell und war deutlich: Alle 55 europäischen Verbände einigten sich einstimmig darauf, an keinen FIFA-Wettbewerben teilzunehmen, solange der Plan auf dem Tisch liege. Ein nie dagewesener Boykott. Aufgrund des Drucks zog die FIFA den Vorschlag Ende Juli zurück, und Infantino entschuldigte sich öffentlich für seine "Fehler". Doch die Wogen glätteten sich nicht vollständig: Am 6. August bestätigte die UEFA schriftlich, dass der Boykott weiterhin gilt, weil ihre Bedingungen nicht erfüllt seien.
Was waren die Bedingungen für die Entspannung?
- 1. Rückzug des Plans: Die FIFA muss die Idee, private Investoren an Weltmeisterschaftsrechten zu beteiligen, vollständig fallen lassen.
- 2. Garantien gegen Wiederholung: Die FIFA muss zusicherden, dass es kein ähnliches Vorhaben geben wird, das den Fußball "verformen" könnte.
Das Treffen von Monaco und das erwartete Signal
Nach Informationen des Journalisten Henry Winter (The Times) sowie von RMC Sport und Reuters treffen sich das UEFA-Exekutivkomitee und die Präsidenten der europäischen Verbände an diesem Donnerstag, den 26. August 2026, in Monaco – zusammen mit der Auslosung der Champions League. In dieser Runde wird erwartet, dass die Aufhebung des Boykotts offiziell erklärt wird, da die beiden zentralen Bedingungen aus Sicht der UEFA erfüllt sind.
Ein wichtiger Faktor war die Rücksicht auf die jungen Spielerinnen: Das FIFA-Frauen-U20-WM in Polen startet am 5. September und läuft bis zum 27. September. Mit Spanien, Frankreich, Italien, Portugal, Polen und England sind sechs europäische Teams dabei. England und Frankreich wollten bereits am Montag anreisen, unabhängig von der Boykott-Entscheidung. Hätte der Boykott fortbestanden, hätte das zu großen Problemen bei Organisation und Turnierplänen geführt.
Der Krieg geht weiter: Ceferins Kampf gegen Infantino
Trotz der sportlichen Entspannung bleibt die politische Auseinandersetzung scharf. Aleksander Ceferin, Präsident der UEFA, hält unbeirrt an seiner Forderung fest, dass Infantino als FIFA-Präsident zurücktreten sollte. Die UEFA will nicht nur nicht klein beigeben, sondern plant auch, bei den kommenden FIFA-Wahlen im März 2027 einen Gegenkandidaten zu unterstützen. Darüber hinaus ist die Möglichkeit einer Abberufungsinitiative (Moción de Censura) in Gespräch – mit Unterstützung der UEFA, der Asiatischen Fußball-Konföderation (AFC) und der CONCACAF (Nord-, Zentralamerika und Karibik). Infantino kann dagegen weiterhin auf die Stimmen der afrikanischen und südamerikanischen Verbände hoffen.
Mahnungen und juristische Drohungen
Im Zuge des Disputs schickte die UEFA eine Anwaltswarnung an die FIFA, in der von "möglichen rechtlichen Schritten, Schiedsverfahren und/oder regulatorischen Anzeigen" im Zusammenhang mit dem FFE-Plan die Rede ist. In dem Schreiben wurden 14 FIFA-Exekutive namentlich erwähnt – darunter Gianni Infantino und der Direktor für globalen Fußball, Arsène Wenger. Sie sind dazu verpflichtet worden, relevante Dokumente und Unterlagen zu sichern.
Italienische Fußballverband zieht Unterstützung zurück
Ein weiterer Dämpfer für Infantino kam ebenfalls am 26. August: Die italienische Fußballföderation (FIGC) gab bekannt, dass sie ihre Unterstützung für eine Wiederwahl Infantinos bei der FIFA-Präsidentschaftswahl im März 2027 abzieht und sich damit auf die Seite der UEFA und Ceferins stellt. Diese Nachricht stärkt das Lager der europäischen Front weiter.
Die wichtigsten Daten im Überblick
| Ereignis | Datum |
|---|---|
| Ende der Frist für Kandidaturen zur FIFA-Präsidentschaft | 18. November 2026 |
| FIFA-Wahlen in Rabat, Marokko | 18. März 2027 |
| Start der U20-Frauen-WM in Polen | 5. September 2026 |
| Ende der U20-Frauen-WM | 27. September 2026 |
Inmitten des Wirbels kündigte Infantino zudem an, alle 211 nationalen Verbände zu einem U15-Mundialturnier einzuladen, das Ende Oktober in Aserbaidschan stattfinden soll. Ein Schritt, der als Annäherung an den Basisbereich wirken soll.
Die Rolle von Rafael Louzán und der RFEF
Die spanische Delegation um Rafael Louzán, Präsident der spanischen König-Fußballföderation (RFEF) und Mitglied des UEFA-Exekutivkomitees, wird in Monaco erwartet. Seine Teilnahme unterstreicht die Bedeutung eines Dialogs auf Augenhöhe.
"Der Boykott wird beendet, aber der Kampf um die Zukunft des globalen Fußballs bleibt in Europa entschlossen."
Nach wochenlangen Verwerfungen kann der Ball also wieder rollen – doch die Risse in den Institutionen des Weltfußballs sind noch lange nicht geschlossen. Die nächsten Monate werden zeigen, ob der Einfluss von Ceferin und die Stimmung der europäischen Verbände reichen, um ein neues Kapitel in der FIFA-Geschichte zu schreiben.